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Vom Ei zum Schwalbenschwanz – eine Reise aus meiner Sicht

Sabrina Heinrich
6. Okt.
3 Min. Lesezeit

Ich bin ein Ei

„Ich bin noch winzig. Rund, klein und unscheinbar. Doch in mir steckt bereits das Leben eines zukünftigen Schwalbenschwanzes.“

Meine Geschichte beginnt auf einer Pflanze. Hier hat ein Schwalbenschwanz-Weibchen mich abgelegt. Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens bis zu 150 Eier legen. Das klingt nach sehr vielen – und doch schaffen es nur wenige von uns bis zum erwachsenen Schmetterling.

Von 100 Eiern erreichen unter natürlichen Bedingungen ungefähr 2 bis maximal 8 das Erwachsenenalter.

Warum so wenige?

Weil schon auf mich als Ei viele Gefahren warten. Ich könnte gefressen werden, meine Futterpflanze könnte verschwinden oder gemäht werden oder ich könnte anderen natürlichen Gefahren zum Opfer fallen.

Doch wenn alles gut geht, beginnt nach ungefähr 7 bis 10 Tagen mein nächster Lebensabschnitt.

Meine Eihülle wird mir zu eng.

Und dann passiert es:

Ich schlüpfe.

Ich bin eine Raupe

Plötzlich bin ich nicht mehr nur ein kleines Ei. Ich bin eine winzige Raupe.

Mein erstes Essen? Meine eigene Eihülle.

Danach brauche ich vor allem eines:

Futter, Futter und noch mehr Futter!

Ich muss wachsen – und zwar schnell. Meine Lieblingsspeisen sind Pflanzen wie Wilde Möhre, Fenchel und andere Doldenblütler.

Mit jedem Bissen werde ich grösser.

Doch meine Haut kann nicht einfach mitwachsen. Deshalb muss ich mich immer wieder häuten. Insgesamt vier bis fünf Mal streife ich meine alte Haut ab.

Jedes Mal bin ich danach ein bisschen grösser.

Und irgendwann sehe ich so aus, wie man sich eine typische Schwalbenschwanzraupe vorstellt: grün, mit schwarzen Bändern und orangefarbenen Punkten.

Meine Raupenzeit dauert ungefähr drei bis fünf Wochen – je nach Temperatur und Bedingungen.

Aber diese Zeit ist nicht ungefährlich.

Vögel können mich entdecken. Schlupfwespen und andere Tiere können mir gefährlich werden. Auch Krankheiten, schlechtes Wetter oder eine gemähte Futterpflanze können meine Reise beenden.

Und genau deshalb gefällt mir ein geschütztes Aerarium.

Mein kleines Zuhause – das Aerarium

In einem Aerarium kann ich geschützt aufwachsen. Dort bekomme ich frische Futterpflanzen und genügend Platz, um mich zu entwickeln.

So kann ein Mensch meine Entwicklung begleiten und mir helfen, eine besonders gefährliche Lebensphase zu überstehen.

Aber ich möchte nicht für immer dort bleiben.

Denn mein Ziel ist die Natur.

Irgendwann merke ich: Ich bin gross genug.

Mein grosser Appetit lässt nach.

Ich höre auf zu fressen und suche mir einen geeigneten Platz.

Denn jetzt kommt die nächste grosse Veränderung.

Ich werde zur Puppe

Ich befestige mich mit einem kleinen Seidenpolster und einem Seidengürtel an einer Pflanze.

Dann werde ich ganz still.

Von aussen sieht es vielleicht so aus, als würde nichts passieren.

Aber in meinem Inneren passiert etwas Unglaubliches.

Ich verwandle mich.

Aus der Raupe wird ein Schmetterling.

Je nachdem, wann ich mich verpuppe, kann diese Zeit unterschiedlich lange dauern. Wenn es spät im Jahr ist, kann ich sogar den Winter als Puppe verbringen.

Während draussen die kalte Jahreszeit kommt, bleibe ich geschützt in meiner Puppenhülle.

Bis eines Tages der richtige Moment gekommen ist.

Ich bin ein Schwalbenschwanz!

Meine Puppenhülle beginnt sich zu öffnen.

Ich komme heraus.

Doch zuerst sehe ich noch gar nicht so aus, wie man sich einen schönen Schmetterling vorstellt. Meine Flügel sind klein, weich und zerknittert.

Jetzt muss ich warten.

Ich pumpe Flüssigkeit in meine Flügel. Langsam entfalten sie sich. Dann müssen sie noch aushärten.

Und plötzlich sind sie da:

Meine grossen gelb-schwarzen Flügel, mit blauen und roten Farbtupfern.

Ich bin ein Schwalbenschwanz.

Aus einem winzigen Ei ist ein wunderschöner Schmetterling geworden.

Jetzt beginnt mein neues Leben

Als Schmetterling brauche ich andere Nahrung als zuvor. Jetzt fliege ich von Blüte zu Blüte und ernähre mich vom Nektar.

Vielleicht treffe ich irgendwann einen Partner.

Und vielleicht legt ein Weibchen von uns wieder Eier auf einer geeigneten Futterpflanze ab.

Vielleicht werden es sogar wieder bis zu 150.

Und damit beginnt meine Geschichte von vorne.

Wie ihr uns helfen könnt

Wenn ihr Schwalbenschwänze unterstützen möchtet, braucht es nicht immer etwas Grosses.

Lasst Raupen leben.

Pflanzt Wilde Möhre, Fenchel oder andere geeignete Doldenblütler.

Lasst eine Ecke im Garten etwas wilder wachsen.

Mäht nicht alles gleichzeitig.

Pflanzt zusätzlich blütenreiche Pflanzen, damit wir als erwachsene Schmetterlinge genügend Nektar finden.

Und wenn ihr eine Raupe entdeckt, die gemütlich an einer Pflanze sitzt und frisst, dann denkt daran:

Sie ist nicht einfach nur eine Raupe.

Vielleicht ist sie gerade auf dem Weg zu einem wunderschönen Schwalbenschwanz.

Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern

Dieser Satz könnte meine ganze Geschichte zusammenfassen.

Denn bevor ich über eine Wiese flattern kann, muss ich zuerst ein Ei sein.

Dann eine gefrässige Raupe.

Dann eine stille Puppe.

Und erst danach werde ich zum Schmetterling.

Vom winzigen Ei bis zum Schwalbenschwanz – eine unglaubliche Reise, die direkt vor unserer Haustür stattfinden kann.

Und vielleicht schaut ihr beim nächsten Schmetterling, der an euch vorbeifliegt, ein bisschen genauer hin.

Denn hinter jedem Schwalbenschwanz steckt eine kleine Geschichte.



 
 
 

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